Aktive Männerriege

Bergturnfahrt der Männerriege Elgg – 23. & 24. August 2026

Samstag, 5.50 Uhr, Bahnhof Elgg… ja, wer sich das Wallis als Ziel für die Bergturnfahrt aussucht, der muss früh aufstehen. Eine stattliche Schar von 22 gut gelaunten Männerrieglern machte es sich im reservierten Zug gemütlich. Kaffee, Sandwiches, ein erstes „plopp“, Gipfeli – alles, was halt so dazu gehört. Spätestens ab Zürich war klar, an diesem Wochenende ist wohl die halbe Schweiz unterwegs in die Berge, der Zug platzte aus allen Nähten. Ein paar Stunden später erreichten wir Brig. Nun ging die Reise in 2 verschiedenen Gruppen weiter, wir würden uns erst wieder am späteren Nachmittag in unserer Unterkunft in Riederalp sehen.

Beide Gruppen vereint auf einem Bild (Foto: V. Klingele)

Gruppe 1 Samstag – längere, anspruchsvolle Wanderung

Das Postauto schlängelte sich über schmale Strassen immer höher den Berg hinauf bis nach Blatten ob Naters. Die Gondelbahn wartete bereits auf uns und brachte uns duch dichte Wolken auf die Belalp. Im Berghotel konnten wir endlich eine Kaffeepause einlegen. Das Personal war bereits zu frühen Stunden mit den Vorbereitungen auf eine später stattfindende Hochzeit beschäftigt, und so wurde nichts aus unserem Wunsch nach einem feinen Nussgipfel. Apropos Gipfel – die hätten wir von hier aus eigentlich sehen sollen, die vielen 4000er der Walliser Alpen. Dom, Dufourspitze, Matterhorn, Weisshorn – aber sie waren allesamt noch gut versteckt hinter den Wolken. Mit technischer Unterstützung gewisser Fotodienste wurde das berühmte Matterhorn dann aber doch noch sichtbar – zumindest mal auf dem Handy.

So, jetzt mussten wir aber endlich auch mal körperlich in die Gänge kommen, schliesslich stand uns noch eine ziemliche Wanderung bevor. Auf dem UNESCO Panoramaweg ging es runter ins Tal, auf zum Teil steilen, aber gut präparierten Wegen. Immer dabei, eine wunderbare Aussicht auf die Zunge des grossen Aletschgletschers. Usere Knie wurden vom ständigen bergab laufen etwas zittrig und so beschlossen wir den Mittagshalt etwas vorzuziehen. Denn wir wussten, die grosse Zitterpartie würde uns noch bevorstehen und da wollten wir gestärkt antreten. Und da war sie, die Hängebrücke, welche über die Massaschlucht führte und einem so eine gefährliche Gletscherüberquerung erspart. 124 Meter lang, 80 Höhenmeter über dem tosenden Fluss, aufgehängt an ein paar Drahtseilen – und ja, sie wackelte! Ich geb’s zu, es war mir nicht so wohl, als ich in der Mitte der Brücke das Handy aus der Tasche kramte, um ein Foto zu machen. Auf der anderen Seite angekommen, tauchten wir direkt in den geschützten Aletschwald ein. Vorbei am Grünsee ging es nun nur noch aufwärts. Zirka 500 Höhenmeter bis hinauf zu Riederfurka hatten wir zu bewältigen. Oben angekommen sehnten wir uns nach einem kühlen Getränk auf der Sonnenterrasse des Berghauses. Ein kurzer Abstieg brachte uns nach Riederalp ins Gasthaus Toni, wo bereits unsere Kollegen der Gruppe 2 warteten. Was haben denn die überhaupt den ganzen Tag gemacht?

Gruppe 2 Samstag – 3-K-Prinzip

Während die Gruppe 1 an diesem wunderschönen Wochenende eher leistungsorientiert unterwegs war, bewegte sich die Gruppe 2 in dieser imposanten Bergwelt nach dem 3-K-Prinzip, d.h. Kameradschaft – Kulinarik – Kultur. Von Brig aus nahmen wir den Zug zur Bettmeralp Talstation. Nach wenigen Minuten erreichten wir schon die Bettmeralp, den Ausgangspunkt in die atemberaubende Bergwelt der Aletsch Arena. Nach einem kurzen Einlaufen durch das Dorf, genossen wir den ersten kulinarischen Höhepunkt des Tages im Restaurant Panorama. Den heiss erwarteten Kaffee mit Gipfeli, gepaart mit frischer Bergluft, war ein Genuss. Nach dem geglückten Start marschierten wir zur Talstation der Bettmerhornbahn, natürlich nicht ohne zwischendurch die traumhafte Aussicht in die Bergwelt zu geniessen. Die Seilbahn brachte uns nach wenigen Minuten von rund 2000 Metern auf 2647 Meter, zur Bergstation Bettmerhorn. Nach kurzem Fussmarsch erreichten wir den Aussichtspunkt mit dem faszinierenden Blick auf den legendären grossen Aletschgletscher. Dieser Gletscher ist der flächenmässig grösste und längst der Alpen. Er befindet sich auf der Südabdachung der Berner Alpen im Kanton Wallis. Die Länge des Gletschers beträgt 22,6 km, die Fläche wird mit 75,79 km² angegeben. Der Aletschgletscher entwässert über die Massa in die Rhone. Die Fläche des gesamten Einzugsgebiets der Massa beträgt 195 km², wovon 1973 etwa zwei Drittel vergletschert waren. Oft werden bei der Flächenangabe der Ober- und Mittel Aletschgletscher einbezogen, da diese früher mit dem Grossen Aletschgletscher verbunden waren. Zusammen mit dem Aletschwald gehört das Gebiet seit Dezember 2001 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Nach den imposanten Eindrücken der Gletscherwelt begaben wir uns ins Panorama Restaurant Bettmerhorn, um uns zu stärken. Nachdem uns die Seilbahn wieder zur Talstation der Bettmeralp brachte, wanderten wir um den Bettmersee und weiter bis zur Riederalp. Mittlerweile trafen auch unsere eher leistungsorientierten Kameraden ein, welche vor allem von ihrer spektakulären Traversierung über die legendäre Hängebrücke berichten konnten.

Zusammen genossen wir einen Apéro und konnten endlich den Blick auf einige 4000er geniessen. Aber das Matterhorn – Fehlanzeige, verflixt! Es folgte ein geselliger Abend mit gutem Essen, interessanten Gesprächen, ausgelassener Stimmung, dem einen oder anderen Drink an der Bar und dazu immer wieder dieser Ausblick auf die Gipfel – majestätisch!

Beeindruckendes 4000er-Panorama (Bild: V. Klingele)

Am Sonntag durften wir deutlich länger schlafen, was zu viel entspannteren Gesichtszügen beim Frühstück führte als noch am Tag zuvor. Ein feines zMorge stärkte uns für den Tag, doch mussten schon bald wieder die Wanderschuhe geschnürt werden. Gemeinsam meisterten wir einen kurzen Aufstieg zur Riederfurka, wo sich unsere Wege nach dem obligaten Gruppenfoto wieder trennten.

Gruppe 2 Sonntag – Führung durch die Villa Cassel

Unsere, eher kulturell ausgerichtete Gruppe, genoss eine Führung in und um die Villa Cassel und erfuhr auf sympathische Art und Weise viel Wissenswertes über diesen besonderen Ort. Anfang des 20. Jahrhunderts als mondäne Sommerresidenz des reichen Engländers Sir Ernest Cassel erbaut und nach Cassels Tod über Jahrzehnte als Hotel geführt, beherbergt sie nun seit 1976 das erste alpine Umweltbildungszentrum, Pro Natura Zentrum Aletsch, der Schweiz. Und das auf 2065 Meter über Meer. Bei einem gemeinsamen Kaffee konnten der Führerin noch interessante Antworten entlockt werden. Mit einem letzten Blick auf die imposante Villa Cassel und mit vielen schönen Eindrücken, gings für uns wieder bergab zum Berghaus Toni. Mit Sack und Pack wanderten wir weiter zur Riederalp West, wo wir mit einem Shuttlebus zur Bettmeralp in die Walliserstube gefahren wurden.

Führung durch die Villa Cassel (Foto: Bruno Linder)

Gruppe 1 Sonntag – Höhenwanderung

Deutlich weniger Höhenmeter waren für den zweiten Tag angesagt. Die Route führte uns entlang dem wunderschönen Moränenweg bis zur Hohfluh. Vor uns der stetige Blick auf den grossen Aletschgletscher und hinter uns – ja genau, da war doch noch was. Normalerweise schaut man beim Wandern nicht viel zurück, aber für das Matterhorn macht man gerne mal eine Ausnahme. In der Ferne hinter uns zeigten sich alle bekannten Gipfel in voller Pracht – was für ein Panorama! Von der Hohfluh (2227 MüM), dem höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung ging es Richtung Bettmeralp. Davor machten wir aber noch am Bettmersee Halt und genossen einige kühle Getränke im lauschigen Gasthaus direkt am See. Einige junge Männerriegler nutzten die Gelegenheit für einen erfrischenden Schwumm im kühlen Nass. Das heutige Etappenziel war nicht mehr weit und wenige Minuten später erreichten wir die Sonnenterrasse der Walliserstube, wo die Gruppe 2 bereits auf uns wartete.

Die Gruppe 1 auf dem höchsten Punkt, der Hohfluh. (Bild: V.Klingele)

Vor wunderbarer Kulisse genossen wir gemeinsam das Mittagessen und einen feinen Walliser Wein. Ein anschliessender kurzer Marsch durch das von schönen Chalets geschmückte Dorf brachte uns zur Gondelstation. Unten angekommen ging es mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn zurück nach Brig. Noch ein letzter Halt in einem angeschriebenen Haus, bevor wir die Heimreise nach Elgg antraten.

Ein grosses Dankeschön gilt den Organisatoren Herbert Wülser und Dani Sager. Wir können zurückblicken auf ein sehr gelungenes Wochenende mit schönem Wetter, exzellenter Gastronomie, interessanter Kultur und spannenden Begegnungen, einem Naturspektakel von extremer Schönheit und, dies ist besonders erwähnenswert, auf beste Kameradschaft.

Text: Vinzenz Klingele (gemeinsamer Teil und Gruppe 1), Bruno Linder (Gruppe 2)