Am Wochenende des 31.08/1.09.2024 hiess es für die 22 angemeldeten Männer-Riegler früh aus den Federn zu steigen. Bei diesem Superwetter war dies aber gar kein Problem. Nach der kurzen Begrüssung und den letzten Infos durch den Präsidenten Erwin Lutz am Bahnhof Elgg stand auch schon fest, dass der letztjährige Reiseberichterstatter auch der diesjährige war.


Über Winterthur-Zürich-Luzern endete unsere Zugreise im wunderschön herausgeputzten Sachseln, Kanton Obwalden. Nach der ersten kurzen «Wanderung» erwartete uns im Café + Restaurant zum Stein am Dorfplatz, ein feiner Kaffee mit Gipfeli. Leider blieb nicht viel Zeit um das schmucke Dorf zu erkunden, denn die Kleinbusse trafen bald neben der Pfarr- und Wallfahrtskirche ein. In dieser Kirche befindet sich übrigens auch das Grab des heiligen Niklaus von Flüe, über ihn aber etwas später. Mit einer schon fast abenteuerlichen Fahrt begann die Reise auf der schmalen Strasse Richtung Älggialp. Einen unfreiwilligen Halt von einigen Minuten mussten wir bei Rindel-Rafgarten (1190 müM) einlegen, weil Braunvieh von ihrem Vortrittsrecht gebraucht machte. Wohlbehalten erreichten wir die auf rund 1650 müM gelegene Älggialp, welche aus einem ehemals versumpften Plateau besteht.

Der Mittelpunkt der Schweiz
Nach einem kurzen Fussmarsch erreichten wir den geografischen Mittelpunkt. Natürlich durfte ein Foto der Männer-Riegler an so einem wichtigen Ort nicht fehlen. Wir genossen eine atemberaubend schöne Rundumsicht mit einer scheinbar intakten Bergwelt.



Wo ist denn nun aber effektiv der errechnete Mittelpunkt der Schweiz?
Zu seinem 150. Geburtstag im Jahr 1988 berechnete das Bundesamt für Landestopografie «swisstopo» aus den eben erst digitalisierten Landesgrenzen den Flächenschwerpunkt des Landes. Würde man eine Schweizerkarte auf Karton aufkleben und entlang der Landesgrenze ausschneiden, so wäre sie dort auf einer Nadelspitze im Gleichgewicht.
In Wirklichkeit liegt dieser Punkt oberhalb einer Felswand westlich von Chli Älggi und ist schwer zugänglich. Deshalb wurde er um 500 Meter nach Südosten verschoben. In der Gemeinde wurde die Idee gut aufgenommen, diesen Punkt im Gelände zu markieren. Die Korporation Sachseln stellte den Boden auf der kleinen Kuppe unentgeltlich zur Verfügung. «swisstopo» spendete eine Triangulationspyramide und der Steinmanndli-Klub Sachseln baute eine Mauer in der Form der Schweiz um diese Stelle herum. Auf dem Stein, der den Mittelpunkt der Schweiz markiert, werden seit 2002 die Namen der vom Publikum der Fernsehsendung «SwissAward – Die Millionengala» gewählten «Schweizer des Jahres» eingraviert. (Quelle: Bundesamt für Landestopografie-swisstopo).
Nach so vielen Eindrücken war die Zeit für eine Stärkung gekommen. Im Berggasthaus Älggialp mit dem trefflichen Slogan «zmitzt i dr Schwiiz», ergänzte jeder auf unterschiedliche Art seinen Energiehaushalt.

Erwin Lutz übernahm anschliessend seine Gruppe, bestehend aus 15 Wanderern/Kletterern, mit dem Ziel Melchsee-Frutt. Die sehr anspruchsvolle Tour begann mit dem Einstieg ins steile Felsband zum Seefeldsee auf 1823 m. Mit Klettereinheiten und rund 100 Höhenmetern folgte nochmals ein happiger Aufstieg zum Sattel. Mit dem Abgschütz (2229 m) war der höchste Punkt der Trekking-Tour erreicht. Weiter führte die Route unter dem Hochstollen durch und via Blausee nach Melchsee-Frutt hinunter. Etwas Statistik: Die Tour war 7.8 km lang, dauerte 3h 24 m und es wurden 661 Höhenmeter zurückgelegt. Eine starke Leistung, Chapeau!




Die eher etwas kulturell ausgerichtete «Wander-Gruppe» fuhr nach Flüeli und liess sich von der lokalen «Tourismusfachfrau» über Wirken und Schaffen des allseits bekannten Niklaus von Flüe informieren. Er wurde 1417 im Flüeli, Obwalden, geboren und starb am 21. März 1487 im Ranft. Er war ein einflussreicher Schweizer Einsiedler, Asket und Mystiker, zuvor Bergbauer, Politiker, Richter und Soldat. Er gilt als Schutzpatron der Schweiz und wurde 1947 heiliggesprochen. Er war mit Dorothea Wyss verheiratet und hatte mit ihr 10 Kinder.



Mit viel Wissen im Gepäck begab sich die kleine Wandergruppe mit der Stöckalpbahn anschliessend nach Melchsee-Frutt und traf dort auf Erwin und seine Mannen. Im familiengeführten Hotel Posthuis wurden wir herzlich empfangen und genossen die Gastfreundschaft auf fast 2000 m. Nach einem reichhaltigen und sehr guten Abendessen, verbunden mit der Pflege der Kameradschaft, begaben sich alle gegen (?) Uhr todmüde ins Bett.
Am 2. Tag nahm die kleine Wandergruppe den Frutt-Zug bis zur Tannalp und traf sich dort mit den anderen Männer-Rieglern, welche die Strecke zu Fuss absolvierten. Anschliessend marschierte eine Gruppe direkt auf den Jochpass (2207 m) und die anderen via Engstlensee und Seilbahn auf den Jochpass. Nach einem ausgiebigen Mittagshalt fuhren alle via Trübsee nach Engelberg hinunter. Gegen 18h kam die Männerriege Elgg wieder wohlbehalten in Elgg an.




Wir durften zwei äusserst ereignisreiche, teilweise sehr anspruchsvolle aber wunderschöne Tage bei ebensolchem Wetter erleben. Ein ganz grosses Dankeschön geht an die Organisatoren Erwin Lutz und Hans Schmucki. Ihr habt einen Superjob gemacht.
Text: Bruno Linder / Bilder: Erwin Lutz, Bruno Linder
