Männerriege

Radturnfahrt 2019 – Heisser geht’s wohl kaum!

Ambitioniert und losgelöst von der Tradition «Kaffee und Gipfeli im Obertor» first, traf sich die
Männerriege von elf Personen um 06.15 Uhr mit den Velos am Bahnhof Elgg.
Früher am selben Morgen lag ich noch gemütlich im Bett, unwissend, dass ich verspätet sein
werde. Später aber zeigte einen Blick auf den Wecker, dass ich nun wirklich stark in die Pedale
treten muss, um diesen Zug zu erwischen. Wie vermutet, kam ich als Letzter ausser Atem am
Bahnhof an.
Einmal mehr informierte Dani Sager, der Organisator der Radtour, die Teilnehmenden über den
Ablauf, ohne dass wir dabei erfuhren, wohin uns die Reise führen wird. Plötzlich gab es da noch
eine ungeklärte Sache: Wer schreibt den unseren Tourbericht? Allgemeines Schweigen
verbreitete sich, bis ein erfahrener „Männerriegler“ auf mich zeigte und meinte „der Letzte ist es
natürlich!“.
Bei diesem wunderschönen Badewetter war keiner unglücklich, die Fahrräder auf einen Pkw-
Anhänger zu verladen. Im Wissen, dass unsere Drahtesel in guter Obhut von Niklaus Bolt sind,
für dessen Dienste hiermit gedankt sei, konnte die Reise beginnen.
In Bern angekommen, gab es kein Halten mehr, da die Truppe jetzt einfach einen Kaffee
benötigte. So wurde noch am Bahnhof ein ruhig gelegenes Café gefunden.
Gestärkt vom Kaffee war allen bewusst, dass es nun kein Entkommen mehr gibt. Nach einer
kurzen Busfahrt nahmen wir unsere Velos in Empfang. Dabei wurden die neusten
Errungenschaften im Bereich der E-Bikes vorgestellt und ein Bremslicht gehört neben einem
stufenlosen Riemenantrieb schon als Stand der Technik. Einige der Gruppe überprüften, ob die
Trinkflaschen wirklich voll und der Reifendruck in Ordnung sind. Schliesslich mussten wir in
zwei Tagesetappen die 160 Kilometer, teilweise auch ohne Steckdosen-Power, bewältigen.
Die Sonne erwärmte spürbar den Asphalt, als wir uns in schöner Umgebung am mir nicht
bekannten Wohlensee entlang radelten. Nach wenigen Steigungen erreichten wir die Aare, die
uns während der ganzen Tour den Weg vorgab. Es entging mir nicht, dass Rolf Greuter, trotz E-
Bike, schon früh immer wieder zurückfiel. Abschnitte ohne Schatten liessen erahnen, was die
beiden Tage noch so bringen werden. Nach gefühlten tausend Kilometern gab es einen ersten
Halt. Danach, vorbei an interessanten Wasserkraftwerken, fanden wir uns zum Mittagessen im
Restaurant „Seepintli“ in Sutz Lattringen ein. Dort bot sich einen herrlichen Blick auf den
Bielersee. Schnell wurde der Wurst- oder Siedfleischsalat – ob gross oder klein – zum Tageshit.
Nach einer kurzen Talfahrt ging es der Aare weiter entlang, wo wir zwischen schönen Häusern,
Booten und Badenden sogar kleine Reisfelder entdeckten. Bei Bühren an der Aare erfolgte
dann die ersehnte Nachmittagspause, wo man sich mit kühlen Getränken erholte und einige
sich im erfrischenden Aaren-Wasser abkühlten.
Erstmals den Hintern etwas spürend, erfuhren wir von unserem Tagesziel Solothurn. Nun
radelten wir etwas gemütlicher bei hochsommerlichen Temperaturen dem Abend entgegen.
Kurz vor Solothurn wurden wir auf Rolf aufmerksam, welcher nun keinen Hehl mehr daraus
machte, dass sein E-Bike von seinem Wohnpartner schon eher eine Mogelpackung ist. Ein
Kollege positionierte den Impulsgeber schnell und korrekt an der Radspeiche des E-Bikes. So
konnte auch Rolf die letzten Kilometer erstmals mit E-Power geniessen. Ungewohnt war die
triumphale Einfahrt in die schöne Altstadt von Solothurn, wo uns hunderte von Zuschauern
empfingen, bis eine enge Marktgasse uns von den Sätteln zwang und aufzeigte, dass wir uns
im traditionellen “Märetfescht” befanden. Nach einigen Höhenmetern verliessen wir durch das
Stadttor den Dorfkern und wurden sehr freundlich im „Hotel Bären“ empfangen. Zeit die E-Bikes
wieder aufzuladen!
Nach einem guten Nachtessen gingen viele, von der Sonne etwas ausgelaugt, ins Bett. Nur
eine kleine Gruppe ging noch an das Altstadtfest. Dort wurde uns bewusst, dass die trendige
Musik uns nicht mehr gefällt. Stehend, mit einem schnellen Bier aus dem Plastikbecher,
schlängelten wir uns durch die zahlreichen Besuchenden. Bald fielen auch wir in denwohlverdienten Schlaf, bis uns das Stadtbähnchen „Bipperlisi“ quasi vor den Zimmern den
Sonntagmorgen verkündete.
Nach einem feinen Zmorgen ging es weiter flussabwärts der Aare entlang. Doch schon bald
hiess es „Spitze kurz“ und ein Care-Team sorgte sich einmal mehr um das E-Bike von Rolf.
Diesmal war es nicht die fehlende elektrische Unterstützung, sondern die Pedale, welche sich
mit ausgerissenem Gewinde verabschiedete. Es lässt sich nur erahnen, mit welcher Kraft er am
Samstag das schwere E-Bike über die Hügel wuchtete! Ab sofort hatte Niklaus einen Co-Piloten
und wir einen weiteren Betreuer. Schon etwas früher kamen die Signale für einen Halt, wo wir
erneut kühles Trinkwasser und Energieriegel zu uns nahmen. Am Mittag fanden wir uns
unterhalb des Kraftwerkes „Aareblick“ in Ruppoldingen ein, wo diesmal vom Wurstsalat über
Schnipo bis zum Bami Goreng alles bestellt wurde. Unter den aufgeheizten Sonnenschirmen
gab es kein Halten mehr und jeder wollte sich in der starken Strömung der Aare abkühlen.
Weiter ging es flussabwärts und bald wurde Dani genötigt, das Ende der Reise auf dem Sattel
bekannt zu geben, damit die restlichen Ressourcen etwas eingeteilt werden konnten. Mit dem
Ziel Brugg, die Endstation auf dem Sattel, wurde weiterhin fleissig in die Pedalen getreten und
alsbald machte der Nutzen einer adiabatischen Kühlung die Runde. Kein Brunnen wurde
ausgelassen, um die Hemden und T-Shirts voll zu tränken, welche die nächsten Minuten den
Oberkörper herrlich kühlten. Nur das Anziehen der nassen Kleider bereitete viel Mühe, aber da
zeigte sich die Kameradschaft der Männerriege und schnell half man sich gegenseitig aus der
misslichen Lage.
Erschöpft in Brugg angekommen, wurden wir mit einer letzten Steigung herausgefordert, weil
uns eine Baustelle den direkten Weg zum Bahnhof verwehrte. Bergabwärts fuhren wir zum
ersehnten Bahnhof. Dort ging alles ruck-zuck, Velo verladen, kühle Getränke vom Kiosk
einkaufen und schon sassen wir im Zug in Richtung Zürich. Ein intensives Nachschwitzen
setzte sich auf den schönen Stoffpolstern bald ein, peinlich! Kurze Zeit später erledigte die
Klimaanlage aber das Malheur professionell und alles war bei der Ankunft wieder trocken. Eine
Stunde verspätet trafen wir glücklich, unfallfrei und zufrieden in Elgg ein und waren beeindruckt
von der schönen Umgebung entlang der Aare. Einen herzlichen Dank an den Organisator und
die Begleiter, die uns diese schöne Tour ermöglichten.
Leider hatte ich noch eine Verpflichtung und musste auf das abschliessende Bier im Obertor
verzichten. Es kam mir aber zu Ohren, dass sich das Velo von Andreas Ruckstuhl mit einem
lauten Knall vor dem Restaurant meldete, vermutlich eine Mitteilung an den Pechvogel des
Tages, jetzt will auch ich heim!
Ernst Nef